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Ideen

VICTORIAN by Mary Katrantzou

Eine Fliesenkollektion, die grafische Moderne und Historie verbindet

Außergewöhnliche Designideen, die ein stilvolles Ambiente unterstreichen: Die Inspiration von Designern der verschiedensten Disziplinen hat eine lange Tradition bei Villeroy & Boch. Nach Größen wie Joop, Paloma Picasso, Luigi Colani oder Kenzo hat die Fashion Designerin Mary Katrantzou nun eine exklusive Kollektion für Villeroy & Boch Fliesen kreiert.

Steckbrief

Studium: Architektur und Textil- und Modedesign in Rhode Island/USA und London
Geburtsort: Athen
Firmensitz: London
Gründungsjahr: 2008, London
Markenzeichen: Stoff-Dekore mit architektonischen Formen als Digitalprint
Auszeichnungen:
2010: Swiss Textile Award.
2011: British Fashion Council Awards, Kategorie: Emerging Talent.
2012: Elle Style Awards, Kategorie: Next Young Designer.
2015: Vogue Designer Fashion Fund

Die Mode von Mary Katrantzou steht für farbenfrohe Digitalprints, die geprägt sind von der widersprüchlichen Ästhetik aus Mischtechniken, Handwerkskunst und opulenten Verzierungen. Die einzigartig ikonische Anmutung der Kollektion aus dem Jahr 2018 wird nun mit der Fliesenkollektion VICTORIAN fortgesetzt: Motive der viktorianischen Epoche des 19.Jahrhunderts im Mix mit modernen grafischen Dekoren lassen einen einzigartigen Stil entstehen, der jedem Raum eine besondere Ausstrahlung gibt.

Ihre Mutter ist Innenarchitektin, im ersten Teil Ihres Studiums ging es um Architektur. Zu welchem Zeitpunkt haben Sie entschieden, zum Textildesign zu wechseln?
Meine Mutter ist Innenarchitektin, mein Vater Textilingenieur. Der Einfluss meiner Eltern hat bei mir die Neugier geweckt, die Welt des angewandten Designs kennenzulernen. Zuerst habe ich an der Rhode Island School of Design Architektur studiert, während eines Auslandssemesters am Central Saint Martins habe ich mich dann für den Studiengang Textildesign entschieden. Während der Zeit an der CSM habe ich beschlossen, nach London zu ziehen, um hier mein Textildesign Studium abzuschließen. Mein Interesse an Mode war damit geweckt! Mehr und mehr hat mich der Zusammenhang zwischen Drucktechniken und der weiblichen Figur interessiert. Dabei konnte ich nach ähnlichen Methoden vorgehen wie bereits in der Architektur: die Grenzen zwischen dekorativen Medien durchbrechen und verschiedene Ansätze verbinden.

Heute nennt man Sie „Queen of Print“. Und das zu Recht. Textilien zu bedrucken war bereits Thema Ihrer Abschlussarbeit an der Central Saint Martins University. Wie haben Sie diese Technologie seitdem weiterentwickelt und zu Ihrer eigenen gemacht? In welchem Maße ist Handwerkskunst Teil Ihres Designprozesses?
Schon zu Beginn meiner Laufbahn hat die Drucktechnik meine Arbeit als Gestalterin definiert. Der Titel "Queen of Print" wurde zu einem Spitznamen, der meine Arbeit und meinen Einfluss auf das Medium Druck auf den Punkt bringt. Als mein Label sich weiterentwickelte, hat mir der Digitaldruck so viele Ausdrucksmöglichkeiten gegeben, dass ich nun unbedingt die ganze Bandbreite der Technologie erkunden wollte. Zu dieser Zeit hat die Kombination von Innovation und handwerklichem Können meine Arbeit bereits geprägt.
Zunächst ging es mir darum, die Erforschung der Handwerkskunst weiter vorantreiben, dabei wollte ich mich auf eine starke Linienführung konzentrieren. Die Weiterentwicklung der Druckmöglichkeiten gehörte zum natürlichen Entwicklungsprozess, im Fokus standen Textur und Form als Basis für ein neues visuell geprägtes Medium. Meine Arbeit ist nach wie vor themenorientiert, ich mag eine starke Aussage. Heute setze ich meine Ideen nicht nur mithilfe von hyperrealen Drucken um. Auch die Innovationen im Textildesign, die präzise geschnittenen Formen und das Zusammenspiel aller Möglichkeiten sind feste Bestandteile meiner Kollektion.

„Queen of Print“: ein Spitzname, der meine Arbeit und meinen Einfluss auf das Medium Druck auf den Punkt bringt.

Sie haben Textilien nicht einfach nur bedruckt. Sie haben im Fashiondesign eine völlig neue Stilrichtung geschaffen, indem sie verschiedenste Gegenstände wie Schmuckstücke, Briefmarken, Schreibmaschinen oder Schuhe als Designelement verwenden. Der Erfolg: Labels in allen Preislagen haben ähnliche Designs in ihre Kollektionen aufgenommen. In welcher Form kommt die digitale Technik Ihnen bereits bei der damit verbundenen Ideenfindung zu Hilfe?
Es ist immer wieder aufregend, sich mit einer neuen Idee zu beschäftigen, um damit die Richtung der nächsten Kollektion zu prägen. Mir geht es immer darum, Einzigartiges zu entwerfen: mit einer starken Aussage und einem Mix von Zitaten aus Architektur, Film oder beeindruckendem Design. In einem Bereich, in dem sich die Technologie ständig weiterentwickelt, gibt es immer wieder Möglichkeiten, die Grenzen zu sprengen. Die digitale Handwerkskunst setzen wir übrigens nicht nur für unsere Drucke ein, sondern auch für die Herstellung unserer eigenen Stoffe. Textilien hatten schon immer die Kraft, der Mode neuen Schwung zu geben. Ich denke deshalb, dass ich mich dieser Aufgaben bei meiner Arbeit als Designerin immer stellen werde.

In einem Bereich, in dem sich die Technologie ständig weiterentwickelt, gibt es immer wieder Möglichkeiten, die Grenzen zu sprengen.

Haben Sie einen Lieblingsstoff?
Ich liebe die Entwicklungsarbeit, die mit der Herstellung unserer eigenen Stoffe verbunden ist. Egal, ob es sich um Spitze, Jacquard oder Stickerei handelt, wir entwerfen und kreieren nach wie vor einen großen Teil der von uns verwendeten Textilien selbst.

Wie gehen Sie bei der Entwicklung eines neuen Designs vor? Was inspiriert sie? Welche Entscheidungen sind zu treffen? Gehen Sie lediglich nach eigenem Gefühl vor oder studieren Sie allgemeine Trends in Kultur, Design, Mode?
Inspiration ist überall zu finden, ich schöpfe sie aus sehr unterschiedlichen Ideen. Wenn ich mit Bildermaterialien arbeite, entsteht eine sehr starke visuelle Sprache. Ich nutze sie, um eine Geschichte zu erzählen. Für die neue Kollektion wollte ich ein wiederkehrendes Thema meiner Modekollektionen aufgreifen: den Schmetterling. Mich fasziniert der Prozess der Metamorphose mit seinem vierstufigen Lebenszyklus und die Idee von Wiedergeburt und Evolution – von der Anpassung über die Entwicklung bis zum Wachstum. Als Menschen machen wir im Laufe unseres Lebens eine Art Metamorphose durch, und Schmetterlinge sind ein Symbol für diese Botschaft des Optimismus. erneut aufgegriffen haben.

Zarte Eleganz

Der Schmetterling: Perfektes Vorbild für zeitlos modernes Design

Tradition und Handwerkskunst neu belebt: Erinnerung an den viktorianischen Stil.

Die Kunst des Königlichen

Viktorianischer Stil prägt das Design der Jahrhunderte

Den Namen der englischen Königin Victoria (1837-1901) trägt die berühmte Stil-Epoche aus gutem Grund. Luxuriöse Materialien, detailverliebte Dekore, opulente Stofflichkeit – die Lust, Räume auf außergewöhnliche Weise zu gestalten wird zum Trend der Zeit.

Dass der viktorianische Stil nicht nur Königshäusern vorbehalten bleibt, ist vor allem der Industrialisierung zu verdanken, die in diesen Jahren ihren Beginn auf der englischen Insel hat. Dank maschineller Fertigung ist es mit einem Mal möglich, Möbel, Dekore und Accessoires in großer und daher bezahlbarer Auflage zu produzieren. Die neue Lust am Außergewöhnlichen zeigt sich nun überall im Raum: an Wänden, Decken und auf Böden, in Teppichen, Vorhängen, Tapeten und sogar auf Fliesen. Überall da, wo Platz ist für Form und Farbe, für florale Ornamentik genauso wie für Motive aus dem Tierreich. Geboren ist die klassische Exklusivität, die Opulenz mit Zurückhaltung kombiniert.

Ein Blick auf die Strategie hinter Ihren Designs: Würden Sie zustimmen, wenn man Ihre Designs als zeitlos, stilvoll beschreibt? Als tragbare, aber dennoch extravagante Mode, die kurzlebige Trends überdauert? Signature Pieces, die das Besondere in den Vordergrund stellen?
In der Modebranche muss man immer mit der Zeit gehen, die Branche ist so schnelllebig. Gleichzeitig ist es für mich extrem wichtig, zeitlose Teile zu kreieren. Dabei lege ich Wert auf Handwerkskunst und Verarbeitung. Gleichzeitig biete ich dabei Kleidung an, die zur modernen Frau und ihrem täglichen Leben passt. Was Mode zeitlos macht, ist die Fähigkeit, mit Sorgfalt und Originalität zu entwerfen.

Ich lege Wert auf Handwerkskunst und Verarbeitung

Sie haben schon mit großen Unternehmen kooperiert und Inspirationen ausgetauscht. Im Interior Design waren es erstaunlicherweise, trotz ihrer Geschichte bisher nur wenige, warum?
2019 sind wir aufgrund der Zusammenarbeit mit Rug Company in den Home-Bereich eingestiegen, jetzt freue ich mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Villeroy und Boch! In diesem Bereich wollen wir grundsätzlich sehr gezielt vorgehen. Wir nehmen uns die Zeit, jede Partnerschaft zu gestalten. Wir haben jedoch vor, in diesem Bereich weiter zu expandieren. Da wir eine bildorientierte Marke sind, die mit Farben und Mustern arbeitet, die sich leicht auf verschiedene Disziplinen übertragen lassen, ist die Vorstellung sehr aufregend, Teil des Raums zu sein. Teil einer Umgebung, in der man sich mit Dingen umgibt, die man liebt. Es entsteht ein Gefühl von Zeitlosigkeit und Beständigkeit, das sich von der Natur der Mode stark unterscheidet.

Die Vorstellung ist sehr aufregend, Teil des Raums zu sein. Teil einer Umgebung, in der man sich mit Dingen umgibt, die man liebt.

Mary Katrantzou

Zurück zu den Schmetterlingen. Das zentrale Motiv Ihrer 2018er Kollektion ist nun auch auf Fliesen zu entdecken. Wie kam es zu dem Ausflug in das Interior Design? Wie sind Sie auf die Marke Villeroy & Boch Fliesen aufmerksam geworden?
Unser Interesse an viktorianischen Fliesen hat bewirkt, dass wir das Schmetterlings-Thema erneut aufgegriffen haben. Beide Disziplinen (Mode und Interior Design) setzen ein hohes Verständnis für Ausgewogenheit, Symmetrie und Proportionen voraus. Für die neue Kollektion wollte ich Fliesen zu sammelbaren Kunstobjekten machen.

Sie haben die Fertigung von V&B in Merzig besucht. Dort hatten Sie auch Gelegenheit, die Geschichte des Unternehmens kennenzulernen. Was hat Sie beeindruckt?
Als das Unternehmen an mich herantrat, um mit mir zusammenzuarbeiten, war ich extrem neugierig auf die Welt von Villeroy & Boch und den Prozess rund um die Fliesen-Herstellung. Bei meinem Besuch am Hauptsitz von Villeroy & Boch Fliesen in Merzig, Deutschland war ich fasziniert von den unglaublichen Mosaiken aus den Archiven des Unternehmens, mit Elementen, die auf viktorianische Designs verweisen. Zwischen den beiden Marken besteht eine starke Verbindung. Wir haben die gleiche Wertschätzung für Schönheit, Handwerkskunst und Geschichte. Der Einsatz meiner Drucke in anderen Disziplinen ist eine Herausforderung, die mich immer wieder reizt. Die Möglichkeit, Teil der Lebensräume von Menschen und ihres alltäglichen Umfelds zu sein, war kreativ sehr bereichernd. Während der Zusammenarbeit mit V&B konnten wir uns von der Kraft des Raums leiten lassen und unsere eigene ästhetische Vorstellungskraft erweitern. .

Wir haben die gleiche Wertschätzung für Schönheit, Handwerkskunst und Geschichte.

Ihre Kollektion für die Marke Villeroy & Boch Fliesen trägt den Namen VICTORIAN. Was an diesem großen designprägenden Zeitalter hat Sie besonders inspiriert?
Kurz vor dem Besuch der Unternehmenszentrale hatten wir unsere Herbst/Winter 18-Kollektion mit dem Titel „Von Victoria bis Bauhaus“ vorgestellt. Daher fielen mir sofort die unglaublichen Bodenfliesen in allen Fluren der Abtei in Mettlach auf. Nach mehreren Gesprächen mit dem Team von Villeroy & Boch Fliesen haben wir beschlossen, die viktorianischen Designs in diese Kollektion aufzunehmen – nicht nur als Anspielung auf das Erbe der Marke, sondern auch, um ein Zusammenspiel zwischen unseren architektonischen Designs zu schaffen.

Welche weiteren Elemente bzw. Fliesen neben dem Schmetterling gehören zur Kollektion? Wie würden Sie die verschiedenen Formen und Designs miteinander kombinieren? Welches Wohn- und Lebensgefühl möchten Sie erzeugen?
Ein weiteres wiederkehrendes Thema in meiner Arbeit seit Frühjahr/Sommer 2013 sind Briefmarken. In einer Welt, in der Briefmarken immer mehr an Bedeutung verlieren, schätze ich sie umso mehr – als Zeichen der Vergangenheit und Relikte einer anderen Ära. Mit der VICTORIAN-Kollektion wollte ich eine bestimmte Atmosphäre schaffen, ein Fenster zur Welt, das dieses Gefühl der Nostalgie einfängt und gleichzeitig grafisch und modern gestaltet ist. Aufgrund ihrer Schönheit und Vielseitigkeit lässt diese Kollektion so viele Gestaltungsmöglichkeiten zu! Wenn ich die Kollektion und das Gefühl, das von den Fliesen ausgeht, mit drei Worten beschreiben sollte, dann wären es nostalgisch, elegant und kühn.

Wenn ich die Kollektion und das Gefühl, das von den Fliesen ausgeht, mit drei Worten beschreiben sollte, dann wären es nostalgisch, elegant und kühn.

Welche Möglichkeiten gibt Ihnen das Material Keramik? Lassen sich hier andere Akzente setzen, Farben wählen etc., als beispielsweise auf Textilien?
Mit der aufregendste Teil unserer Zusammenarbeit war die Möglichkeit, meinen architektonischen Hintergrund mit einbringen zu können. Keramik bietet die Voraussetzungen, Wohnräume zu gestalten – und das auf eine Weise, die Mode nicht bieten kann. Außerdem kann jeder Kunde mit den von uns entworfenen Bausteinen sein eigenes Innendesign verwirklichen, ganz nach seinen persönlichen Wünschen.

Wo würden Sie die neuen Fliesen gerne sehen?
Ich sehe sie in fast jedem Raum des Hauses. In der Küche, im Eingang oder um den Kamin herum. Die Vielseitigkeit dieser Kollektion lässt so viele Möglichkeiten zu!

Was brauchen Sie, um sich in den eigenen vier Wänden rundum wohlzufühlen?
Ich bin gerade dabei, mein eigenes Badezimmer mit den neuen Fliesen zu gestalten. Ich fühle mich wohl, wenn ich mich mit zeitlosem Design umgebe. Und es freut mich, dass das Ergebnis unserer Zusammenarbeit in den Raum einfließen wird, der für mich am persönlichsten ist.

Eine letzte Frage: Was kommt als nächstes von Mary Katrantzou ? Was können wir erwarten?
Eine zweite Fliesenkollektion mit V&B!

Es lebe der Schmetterling

VICTORIAN by Mary Katrantzou

Im Mittelpunkt der von der Modedesignerin entworfenen Fliesenkollektion steht der viktorianische Schmetterling. Umgeben von weißer und schwarzer Marmor-Optik wird er zum strahlend farbenfrohen Botschafter der Natur im Interieur. Eingefasst mit goldenen Rahmen oder von der für Katrantzous Mode typischen Briefmarken-Perforation wirken die Motive wie kleine Kunstwerke. Vor allem dann, wenn sie mit den verschiedenen klassisch-geometrischen Dekoren kombiniert zu einem raumprägenden Kunstwerk werden.